Die Orgelstunde am 10.02.2018: Hommage an BACH

BACH-Kompositionen von Robert Schumann und Sigfrid Karg-Elert

Musik gehört dem Bereich des Spiels, der Unterhaltung an mit einem weiten Spielfeld von der einfachen Melodie des Kinderliedes bis zum Musikwerk auf höchstem intellektuellem und emotionalem Niveau.

Spielcharakter hatte auch das Thema der Orgelstunde: das in der Musikgeschichte einmalige Phänomen, dass sich die Buchstabenfolge eines Musikernamens in eine melodische Tonfolge übertragen lässt.

Seit Johann Sebastian Bach wurde diese Tonfolge zum Motiv bedeutender Orgelwerke, die der Verehrung des großen Meisters gewidmet sind. Die spielerische Komponente dabei erreicht noch eine Steigerung in einem musikalischen Widmungsgedicht des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs, der die berühmte Tonfolge in umgekehrter Reihenfolge, dem so genannten Krebsgang, zitierte und damit seinen eigenen Namen Krebs mit dem seines verehrten Meisters Bach verknüpfte.

Bach hat selbst das Motiv in seiner „Fuga à 3 Soggetti“ in der „Kunst der Fuge“ verwendet. Dieses Werk blieb unvollendet: Bach verstarb bei der Ausarbeitung, wodurch die Tonfolge geradezu mystifiziert wurde.

Kantor Christian Schmitt hatte für die Orgelstunde zwei Komponisten gewählt, die das Spiel mit dem BACH-Motiv auf höchste Ebene steigerten: Robert Schumann im 19. und Sigfrid Karg-Elert im 20. Jahrhundert.

Robert Schumann griff zu zwei Beispielen seiner „Fugenpassion“ des Jahres 1845 auf die traditionelle Fugenschreibweise zurück. Er nannte seine Fugen „Charakterstücke, aber im strengen Stil“, was ihn nicht daran hinderte, seinen charakteristischen Enthusiasmus darin zum Ausdruck zu bringen. Die erste Fuge zitiert zu Beginn die BACH-Tonfolge mit mächtigem Stimmenaufwand und markiert damit in tiefem Bass mehrmals die darauf folgenden Fugenreihen, das Ganze mit einer Entfaltung, in der die Schumannsche Ausdrucksskale im „strengen Stil“ der Fuge eingefangen wurde.

In einem Kontrast zu Schumanns Werk, der nicht größer sein könnte, stellte Christian Schmitt die „Passacaglia und Fuge über BACH, op. 150“ von Sigfrid Karg-Elert vor. Die Eingangstakte mit dem BACH-Motiv tönten in einer unerhörten Klangfülle und Lautstärke. In einer umfangreichen Ausgestaltung tauchte das Motiv als Element einer hoch differenzierten Palette von Lautstufen und Rhythmen auf, in langen Läufen mit überraschenden Akkorden dazwischen, zu denen auch atonale und dissonante eingestreut waren, aber ohne den klassisch-romantischen Duktus des Werks zu durchbrechen.

Sigfrid Karg-Elert ist in Deutschland weniger bekannt. Zum einen stand er im Schatten Max Regers, zum anderen traf ihn das Missgeschick, dass ihn, einen Nicht-Juden, die Nazis in ihr „Lexikon der Juden in der Musik“ aufnahmen. Als herausragender Komponist der späten deutschen Orgelromantik hatte er aber im Ausland beachtlichen Erfolg.

Er verfasste 1931 die Passacaglia op.150, eines seiner bedeutendsten Orgelwerke, deren Originalfassung leider verschollen ist. Zur Vorführung in der Orgelstunde konnte Kantor Schmitt nur auf eine Bearbeitung von der Hand des Organisten Johannes Piersig zurückgreifen.

Den Genuss des reichhaltigen Programms konnte auch die Beobachtung des Organisten während seines Spiels bereichern. Die Passacaglia Karg-Eberts forderte seinen ganzkörperlichen Einsatz mit aufwändigen Pedalpartien und rasanten Läufen über drei Manuale. Christian Schmitt präsentierte sich wieder als höchstrangiger Organist. Die vielköpfige Stammhörerschaft der alljährlichen Orgelstunde dankte begeistert für die brillante Konzertstunde.

 

Erwin Martin

 

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