Inspiration mit Klarheit verbunden

Ein „musikalischer Kosmopolit“, der wohl angesehenste Komponist seiner Zeit in Deutschland und ganz Europa – so könne man Georg Philipp Telemann wohl beschreiben, meinte Christian Schmitt, der Kantor der Luthergemeinde. 1767 verstorben, jährt sich der Todestag des deutschen Komponisten in diesem Jahr zum 250. Mal. In der Luthergemeinde hat man dieses Jubiläum zum Anlass genommen, dem Musiker ein ganz eigenes Konzert zu widmen und einen Querschnitt aus seinem reichen Werk vorzustellen. Reich ist das tatsächlich, hat Telemann insgesamt doch über 3000 Stücke hinterlassen. Eine Auswahl von sieben davon gab es beim Konzert am Samstagabend zu hören.

„Gieb jedem Instrument das / was es leyden kan...“, so lautete der Titel des Konzerts nach einem Zitat von Telemann. „Es ist als ein Ratgeber für Komponisten zu verstehen, dass man auf die Eigenart des jeweiligen Instruments Bezug nehmen und dazu passend komponieren soll“, erklärte Schmitt. Das kam in den ausgewählten Stücken zur Geltung: Blockflöte und Violinen übernahmen hauptsächlich die Melodiestimmen, Violoncello und Cembalo waren für den Unterbau zuständig. Letzteres Instrument, das Cembalo, gespielt von Christian Schmitt, war die Konstante in allen Stücken und auch in klanglicher Hinsicht wohl am prägendsten, es sorgte für den typischen Klang der Barockmusik. Das Violoncello wurde von Katharina Schmitt gespielt und hatte in der „Sonata D-Dur“ seinen einzigen Solo-Auftritt, ansonsten begleitete es die Melodiestimmen im Bass.

Die Melodie kam in den anderen Stücken etwa von Susanne Bohn, die das Ensemble mit der Blockflöte im Eröffnungsstück „Trio B-Dur“ oder in der „Sonata f-Moll“ anführte und mit dem leichten Klang ihres Instruments doch die ganze Lutherkirche ausfüllen konnte. In der Solokantate „Erwachet, entreißt euch den sündlichen Träumen“ tauschte sie die Flöte gegen ihre Sopranstimme. Olga Nodel und Anastasia Gubarkova komplettierten das Ensemble mit der Violine. In der kraftvollen „Triosonate d-Moll“ führten sie das Ensemble als Duett an, im abschließenden „Concerto di camera g-Moll“ umspielten sie den virtuosen Lauf der Blockflöte.

Was ist nun das Charakteristische an Telemanns Musik? Seine Kunst verbinde „Inspiration mit Klarheit und Fasslichkeit“, meinte Christian Schmitt in der Konzerteinführung und hob damit auf die Originalität und den Einfallsreichtum dieser Musik ab. „Telemann treibt es mit der Kompliziertheit seiner Musik nie zu weit, sodass der Zuhörer noch nachvollziehen kann, was vor sich geht, und nicht überfordert ist.“ Mit dem Konzertprogramm war also einige Abwechslung geboten, welches zusammengenommen ein Bild vom Werk Telemanns vermittelte: von einer Musik mit italienischen und französischen Einflüssen, erklärte Schmitt, die ganz im Stil des ausgehenden Spätbarock steht.

 

(WZ vom 14.02.17)

 

 

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